Die Freyen Berglaender
Geschichte spannend erlebbar machen

Frühes siebtes Jahrhundert...

In den Taelern der Salzbutine* leben derweyl nur wenige Menschen, vornehmlich freye Bauern, von den kaerglichen Ertraegen ihrer Felder. Das Leben derer, die dort der unwegsamen Natur und den Auseinandersetzungen mit anderen Stämmen trotzen, sey karg und entbehrungsreych. Hinzu komme, dass ein jeder Freye zum Kriegsdienst verpflichtet sey. All dies lastet schwer auf den ansaessigen Familien. So geraten immer mehr Menschen in die Leybeygenschaft, um der eygenen Not wenigstens dahingehend eyn Ende zu bereyten, als dass der Leybherr verpflichtet sey, die Familien zu ernaehren und die siedelnden Menschen von der Not, die Soehne als Kaempfer zu stellen, zu befreyen.

Andere wiederum schaetzen ihre Freyheyt derart, dass sie nach neuen Moeglichkeyten suchen, die schmale Kasse aufzubessern und die Abgaben leysten zu koennen. So mancher Bauer macht sich deshalb in den Fruehlingsmonaten, mitunter begleytet von seynen Soehnen oder gar Toechterleyn auf, um sich andernorts zu verdingen, sey es als Tagloehner, Handwerker oder gar als Krieger fuer eynen der Herzoege, die dem Koenig zur Abstellung von Truppen verpflichtet seyen. Eynige von ihnen stammen aus Endebach*, eynem kleynen Weyler in der Naehe der Quelle der Salzbutine. Sie nennen sich „Freye Berglaender“...

*Salzbutine = Salzböde, ein Bach mit Quelle in Schlierbach in der Gemeinde Bad Endbach, der bei Lollar-Odenhausen in die Lahn mündet. Erstmalige Erwähnung erfährt der Bach in einer Schenkungsurkunde aus dem 8. Jahrhundert, in der eine Edelfrau namens Adelburch ihre Besitzungen in der mündungsnahen Ortschaft "Salzbutine" (Salzböden) dem Kloster Fulda überträgt.

*Endebach = Die heutige Gemeinde Bad Endbach im Landkreis Marburg-Biedenkopf, Hessen

Das fränkische Reich zu Beginn des siebten Jahrhunderts

Chlothar II., König von Neustrien, siegte 613 über Brunichild (Brunhilde), die Königin von Austrasien und Burgund, und ließ sie hinrichten. Damit war Chlothar II. seit dem Tod seines Großvaters der erste König über das gesamte Frankenreich. Allerdings musste er im Jahre 614 dem fränkischen Adel, der entscheidend zu seinem Sieg über Brunhilde beigetragen hatte, im Edictum Chlotharii wichtige Zugeständnisse machen. Hierdurch legte er den Grundstein für den späteren Aufstieg der Hausmeier, insbesondere der Karolinger.

  • Neustrien oder Neustria, war in der Zeit von 511 bis 737 der nordwestliche Teil des fränkischen Reiches zwischen Loire und Schelde
  • Austrasien, auch Austrien, bezeichnete den östlichen Teil des Fränkischen Reichs. Der Name bedeutet Land im Osten. Austrasien war seit dem Tod Chlodwigs I. im Jahr 511 bis zu Pippin dem Jüngeren meist ein selbständiges fränkisches Teilkönigreich zuerst mit der Hauptstadt Reims und später dann Metz. Anfangs wurde dieses Königreich daher auch als Reich von Metz bezeichnet, bis sich ab 584 der Name Austrasien durchsetzte. Das Gebiet umfasste die fränkischen Gebiete um Rhein, Maas und Mosel und neben Metz die Orte Reims, Köln und Trier, dazu die Gebiete der besiegten germanischen Stämme: unter dem ersten Teilkönig Theuderich I. anfangs nur Alemannien, später auch Thüringen und Bayern und auch den größten Teil des heutigen Hessen.
  • Burgund entstand nach der Eroberung des Zweiten Burgundenreichs 534 durch die Franken und stellte ab 561 bis zur Zersplitterung im 9. Jahrhundert eines der drei Kerngebiete des Frankenreiches dar. Regional umfasste es die Region entlang der Rhône, das heutige Südost-Frankreich und Teile der heutigen Schweiz.
Fränkische Expansion bis zum 6. Jahrhundert


Ausdehnung des Fränkischen Reichs


Bildquelle: Wikipedia)

Der Name „Franken“

Die [Selbst]Bezeichnung des Volkes der Franken folgt einem häufigen Motiv bei germanischen Stammesnamen nach einer charakteristischen Eigenart oder Eigenschaft auf Grund einer Beobachtung aus der Fremd- oder Eigensicht.

Die neuere Namenskunde folgt inhaltlich dem Nachschlagewerk des frühmittelalterlichen Gelehrten Isidor von Sevilla (um 560–636) und führt den Frankennamen auf eine indogermanische Wurzel *(s)p(h)ereg- „gierig, heftig“ zurück. Die Wurzel brachte daneben auch griechisch σπαργάν „schwellen, strotzen, heftig begehren“ hervor und führte insbesondere im germanischen Bereich zur reichen Wortfamilie von altnordisch frekr „gierig, hart, streng“ – davon altnorwegisch frakkr „schnell, mutig“ und synonymes schwedisch (mundartlich) fräk –. mittelniederländisch vrec „habsüchtig, gierig, hartherzig“ (daraus niederländisch vrek „Geizhals“), althochdeutsch freh „habsüchtig, gierig, ehrgeizig“ (achtes Jahrhundert), mittelhochdeutsch vrech „mutig, tapfer, dreist“ und neuhochdeutsch frech sowie altenglisch frec „gierig, eifrig, kühn“ und freca „kühner Mann, Krieger“, daraus das synonyme freak im modernen Englisch. Die Franken wurden demnach als die „Habgierigen, Ehrgeizigen, Mutigen, Kühnen“ benannt.

Die Bedeutung des neuhochdeutschen frank im Sinne von ‚frei‘ entstand hingegen zur Zeit der Merowinger im romanisierten Herrschaftsgebiet der Franken und beruht vermutlich ihrerseits auf dem Stammesnamen. Im Gegensatz zum Römer oder Gallier war ‚der fränkische Mann‘ schlichtweg ‚der Freie‘, woraus sich Franc als Substantiv und franc als Adjektiv herleiteten. Erst im 15. Jahrhundert wurde die deutsche Bedeutung „frei“ aus dem Französischen entlehnt.

Frei wiederum war mittelhochdeutsch vrī, althochdeutsch frī; in der germanischen Rechtsordnung ursprünglich = zu den Lieben (= zur Sippe) gehörend (und daher geschützt); eigentlich = lieb, erwünscht. Demzufolge müsste der Name der „freyen Berglaender“ eher „frīe bergleude“ (freie Leute vom Berg) lauten 😉.

Der Aufstieg der Franken

Konkret wurden in römischen Quellen seit dem 3. Jh. Kleinstämme der Istwäonengruppe (Chamaven, Brukterer, Chattuarier) und die ursprünglich ingwäonischen Amsivarier unter der Bezeichnung "Franken" zusammengefasst.

Gleichzeitig mit den Alemannen griffen diese Kleinstämme von ihren Wohngebieten an Weser, Mittel- und Niederrhein gegen Ende des 3. Jh. auf die rechtsrheinischen Gebiete der Tubanten, Usipier, Chasuarier und evtl. auch der Tenkterer über. In der Forschung ist kontrovers, ob auch diese in Klientelverhältnissen zum Römischen Reich stehenden Gruppen den Franken zuzurechnen sind, doch spricht wohl einiges dafür.

Das Fortbestehen der Namen der Einzelstämme neben der gemeinsamen Bezeichnung "Franken", das Fehlen einer einheitlichen monarchischen Verfasstheit bis zum Ende des 5. Jh. und die auch schon für die Frühzeit erschließbare Unterschiedlichkeit der Stammesrechte zeigen den langsamen Vorgang der Konzentration und Vereinigung an. Daher nimmt die Forschung für die Frühzeit nicht einen einheitlich organisierten Stammesverband an, sondern verwendet Termini wie "Stammesschwarm" oder allenfalls "Stammesbund".

Seit der Mitte des 3. Jh. gingen die Franken offensiv gegen das Römische Reich vor, nach Ausweis der Münzdepotfunde insbesondere gegen den belgisch-moselländischen Raum (275: Maasgebiet, Einnahme von Trier). Fränkische Piraten bedrohten weite Teile der nordgallischen Küstengebiete. Ende des 3. Jh. drangen fränkische Verbände in das Bataverland an der unteren Maas, andere an der Rheinlinie auf Reichsgebiet vor. Auf diese Vorstöße reagierten römische Kaiser und Usurpatoren mit Aufnahme in das Heer und Einsatz gegen innere Gegner. Die römische Politik gegenüber den Franken wurde seit dem 3. Jh. aktiver, so z.B. ein Vertragsschluss von Kaiser Maximinian mit dem fränkischen König Gennobaudes, Ansiedlung fränkischer Gruppen um Trier und Ansiedlung gefangener Franken als Laeten in Nordgallien.

Unter Kaiser Konstantin scheint den Römern noch einmal die Stabilisierung der Rheingrenze gelungen zu sein, denn im Wesentlichen verlautet nichts mehr über fränkische Vorstöße bis Mitte des 4. Jh. in den Quellen.

Eine Führungsstellung nahm der Teilstamm der Salier südlich der Ijssel ein, deren zum Synonym für die Franken gewordener Name nach dem 5. Jh. nur noch in Rechtsquellen vorkommt. Nach der Unterwerfung der Bataver Anfang des 4. Jh. im Rheindelta gewannen die Salier 357 als römische Föderaten Toxandrien (Nordbrabant), drangen seit 406 zum Kohlenwald zwischen Lüttich und Tournai vor und eroberten bis Ende des 5. Jh. Gallien.

Andere Teile der Franken, die später Ripuarier genannt wurden, gewannen um 459 das Kölner Gebiet und drangen von hier aus ins Moselgebiet vor. Vielleicht im 6. Jh. schlossen sich die Hessen im Rhein-Main-Gebiet den Franken an.

Problemstellung der Darstellung der Merowingerzeit

Das größte Problem bei der Betrachtung der Gebräuche und Kultur der Merowinger (und daraus folgend unserer Darstellung einer Sippe aus dem mittelhessischen Raum) stellt die weitgehend fehlende schriftliche Überlieferung dieser Epoche dar. Erst unter den Karolingern (ab ca. 750) gibt es wieder ausreichend schriftliche Dokumente, die der Forschung helfen. Jedoch werden gerade in diesen Schriften die letzten Jahre der Merowingerzeit in einer verspottenden Weise dargestellt, dass sie den Historikern Anlass zu der Vermutung geben, die neuen Herrscher hätten ihre Legitimation durch Herabsetzung der von ihnen gestürzten Dynastie zu unterstreichen gesucht.

Insofern bleibt nur die (mit Vorsicht zu genießende) Betrachtung der gefundenen und untersuchten Grabfelder, was aber zu zahlreichen Fragen führt, die gerade durch die Ausgrabungen aufgeworfen und nicht durch sie beantwortet werden. War es Alltagskleidung, mit der ein Verstorbener bestattet wurde oder wurde er (wie heute auch üblich) in einer Festtagskleidung bestattet? Waren die Grabbeigaben Dinge, die der Verstorbene tatsächlich genutzt hat oder sollten sie ihm im Jenseits nützlich sein? Für uns stellt sich hier erschwerend die Problematik, dass es in unserem Heimatraum keine Ausgrabungen dieser Epoche gibt. Wir müssen daher versuchen, aus den spärlichen historischen Quellen sowie Ausgrabungs- Funden an anderen Orten ein möglichst realistisches Bild der damaligen Zeit wiederzugeben.

Da wir erst Ende 2017 unseren "Zeitsprung" vollzogen haben, stehen wir mit unserer eigenen Forschung und Ausrüstung also praktisch wieder ganz am Anfang.

Quellen:

www.geschichtsforum.de

Patrick J. Geary – Die Merowinger. Europa vor Karl dem Großen - ISBN-13: 978-3406494260

www.wikipedia.de